Einem Trendscout auf der Spur
Interviews stellen für unseren Online-Blog rund um die Themen Mode, Modedesign, Bekleidung & Textilien tolle Gelegenheiten dar, nicht nur interessante Menschen kennen zu lernen und mein Netzwerk zu erweitern, sondern eine gute Methode hochwertige Informationen aus erster Hand zu präsentieren, und unseren Usern zugänglich zu machen.

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Unter:www.hoste.de
Schon vor einiger Zeit, erklärte sich Katrin Hoste (Trendscout & Modejournalistin) dazu bereit, bezüglich Ihres Berufs, Rede und Antwort zu stehen.
“Trendscouting ist ein Thema, das in der Textilbranche seit vielen Jahren von großer Bedeutung ist und weltweit praktiziert wird. Alle großen Unternehmen wie Diesel, Miss Sixty, Levis, Zara, H&M-¦ sogar P&C arbeiten seit Jahren erfolgreich mit diesem Konzept.”
Das Interview:
Wolfgang:
Woran erkennen Sie ob sich Trends durchsetzten oder lokal begrenzt bleiben? Interkulturelle Kompetenz ist sicherlich Schlüsselfaktor in Ihrem Beruf, müsste man nicht Kulturwissenschaftler, Soziologe, Marktexperte, Volkswirt, Designer und Künstler gleichzeitig sein?
Frau Hoste:
Trends entstehen über visuelle Reize, sprich Medien (Filmindustrie, Print-, Funk- und Fernsehen)
Unter besonderer Beobachtung stehen dabei beliebte It-Promis, wie Filmsternchen, Musikidole oder Sportstars, oder auch Modells aus besonderen Anzeigenkampagnen.
Es reicht einzig und alleine ein gewisses Feeling für das Aufkommen von neuen Trends, dafür muss man nicht Kulturwissenschaftler, Volkswirt oder Soziologe sein
.
Ob sich ein Trend letztendlich durchsetzt entscheidet einzig und alle der Konsument.
Meistens verläuft die praxis-orientierte Umsetzung dann rasend schnell. Wir erinnern uns an Trendwellen wie die australischen Ugg-Boots, Buddha – Armbänder, La-Martina-Polo Shirts, Seven-Jeans, Swarovski- Applikationen auf Textilien, Überdimensionale Gürtelschnallen mit Totenkopfschädeln oder Tigerköpfen-¦.
Wolfgang:
Was sind die besten Voraussetzungen für Ihren Beruf, auch bezogen auf die richtige Ausbildung ?
Frau Hoste:
Beste Grundvoraussetzungen sind ein gutes Gespür für Mode und neue Trends sowie ein gewisses Maß an Mobilität und Reisebereitschaft.
Das ideale Studium oder den richtigen Ausbildungslehrgang für den Beruf eines Trendscouts gibt es (noch) nicht. ´
Von Vorteil ist sicherlich ein designorientierter Studiengang. Doch die kreative Welt, in der sich die Designer bewegen, ist meistens zu weit entfernt vom Kommerz auf der Straße.
Wer selber entwerfen und eigene Ideen umsetzen möchte, der sollte lieber Designer werden.
Im Beratungsberuf des Trendscouts geht es nicht darum was wir selbst gerne tragen und gut finden, sondern darum die Vorlieben einer bestimmten Zielgruppe zu erkennen. Nach einer Stunde People Spotting auf der Stuttgarter Königsstrasse oder nach einem Samstagsbesuch in einem schwedischen Möbelhaus erhält man schon eine Menge Informationen über die Modetrends des deutschen Durchschnittsbürgers.
Natürlich gehören auch Hot Spot Viewing und angesagte Szenetreffs mit ins Programm. Um die kommerziellen Mode Trends letztendlich auf die Straße zu bringen wird viel von den großen Designern abgekupfert und kopiert.
Wolfgang:
Als Jungdesigner und Unternehmer ist man ständig auf der Suche nach den neusten Entwicklungen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß hier eine Fülle von Voraussagen getroffen werden. Wie filtern Sie die Masse an Informationen der globalen Gesellschaft und des wachsenden Marktes. Wo fangen Sie an sinnvoll zu selektieren?
Frau Hoste:
Zu Beginn einer neuen Saison (Sommer / Winter) werden grundsätzlich alle Infos querbeet gesammelt.
Das können Bilder und Seiten aus aktuellen Modezeitungen sein, neue Filme (Fluch der Karibik, Casino Royale etc.).
Besonders wichtig sind auch die entsprechenden Fachzeitschriften (TW TextilWirtschaft, SHOEZ (Schuhe), SAZ (Sport)).
Einen tollen Überblick Über die neusten Kollektionen der wichtigsten Designer gibt die Zeitschrift “Officiel-.
Online Magazine und entsprechende Fachvorträge und Foren sind selbstverständlich.
Alle Einzelinformationen lassen sich später wie ein Puzzle zu Themen und Collagen zusammen fügen.
Mein größter Vorteil als Mode-Journalistin ist es alle relevanten Aussteller auf den wichtigsten, internationalen Fachmessen besuchen zu können und die modisch interessanten Kollektionen bereits ein halbes Jahr vorab zu sichten. Der wichtigste und kostenaufwendigste Part in der Beratung ist das Scouting an sich. Store-Checks in den angesagten Metropolen wie Mailand, London, Paris, Amsterdam, Antwerpen, Koppenhagen, New York und Tokio plus viele mehr geben den größten In-Put für die Erstellung neuer Kollektionen.
Wolfgang:
Trends sind abhängig von Zielgruppendefinitionen. Wie wird hier selektiert?
Frau Hoste:
Zielgruppenorientiert zu denken ist für die auftragsbezogene Trendberatung oberstes Gebot.
Gefragt sind oft kommerzielle Trends, die sich für ein breites Kundenspektrum (große Marktanteile, Umsatz) umsetzten lassen.
Wolfgang:
In unserem Kommunikationszeitalter und im Zuge der Globalisierung werden die Produktlebenszyklen immer kürzer. Wie schaffen Sie es, sich der Schnelllebigkeit des Marktes anzupassen? Gibt es einen Wettlauf um die Trends?
Frau Hoste:
Designer, Trendscouts und Verantwortliche beginnen mit der Kollektionserstellung ca. ein Jahr bevor die Kollektionen letztendlich in die Läden kommen. Das ist eine lange Zeitspanne. Während man ständig mit der Umsetzung von neuem Input an Farben, Schnitten und Kombinationen konfrontiert wird, werden diese Trends bereits nach außen getragen. Bestes Beispiel ist ein Besuch auf den bedeutendsten Modemessen (Bread & Butter, Pitti Uomo, -¦ ) Doch das sind Fachmessen, die ausschließlich von Fachbesuchern und Modeinteressierten besucht werden.
Um einen Trend langfristig umzusetzen (z.B. diese Saison nur spitze Schuhe und die nächste Saison nur noch runde Ballerinen und hohe Stiefel) benötigt es mehrere Saisons. Aber es gibt auch Beispiele für schnelle, völlig unerwartete Trends.
Nach der Premiere von Kill Bill (Quentin Tarantino) in Paris war der gelbe Sneaker von Asics/ Onitsuka Tiger, den Uma Thurman in einer Schlüsselszene trägt innerhalb einer Woche restlos ausverkauft!
Wolfgang:
Vom Jet zum Laptop: Unsere Möglichkeiten der Kommunikation lassen sich auch für Sie optimal nutzen. Internet, E-Mail und Handy ermöglichen Ihnen in Sekunden Informationen aus der ganzen Welt abzurufen. Wie ändert sich diesbezüglich die Arbeit eines Trendforschers?
Frau Hoste:
Alle angesprochenen Medien und deren intensive Nutzung sind ein absolutes “must-.
Wer den Fortschritt verschläft hat in der Trendforschung und Beratung nichts zu suchen.
Trotzdem gibt es einen großen Vorteil in unserer Branche: Mode im entsprechenden Ambiente erleben, Stoffe und Materialien fühlen und die betreffenden Teile anprobieren: das geht eben einfach nur live.
Wolfgang:
Ein Trend Scout muss unter anderem einen ausgeprägten Sinn für àƒsthetik besitzen, ist nicht gerade hier eine Gefahr verborgen? Da àƒsthetik ein rein subjektives Empfinden ist muss es doch schwer fallen aufkommende Trends objektiv zu bewerten? Kann es im Hinblick darauf zu Fehlinterpretationen kommen? Was zeichnet die Qualität eines Trends aus? ( Langlebigkeit, Zielgruppengröße, Marktgröße etc. )
Frau Hoste:
Die Qualität und den Erfolg findet der Trendscout, indem Trend Prognosen und Tendenzen, die er an seinen Kunden weitergegeben hat, richtig waren.
Ein Trendscout ersetzt nicht den Beruf eines Designers, er berichtet lediglich über die aufkommenden Marktströme und Moderichtungen für die kommende Saison. Gemeinsam mit den Designern und Kollektionsverantwortlichen werden die Trends besprochen, diskutiert und umgesetzt.
Der Erfolg wird später am Abverkauf (Stückzahlen) der betreffenden Kollektion gemessen.
Wolfgang:
Beruf und Familie, wie vereinbaren oder sehen Sie, als Karriere Frau dieses brisante, aktuelle Thema?
Frau Hoste:
Unsere Top Politiker Frauen (Kanzlerin und Familienministerin) machen es uns vor.
Nein ganz im Ernst.
Hier muss jeder privat für sich entscheiden, wie sich Familie und Karriere vereinbaren lassen. Der Unternehmerstatus ist für eine Frau im Familienleben mit Sicherheit von Vorteil, da sie sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen kann.
Wolfgang:
An dieser Selle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Frau Hoste bedanken, für Ihre Hilfe, Kooperation und Ihre nette Art.
Auch 3sat hatte Frau Hoste im Visier und berichtet in einem tollen Video:
Spürnasen für Modeströmungen
Bericht auf 3sat über Katrin Hoste und ihre Arbeit als Trendscout.
