Report: Michael Michalsky Show

Joop & Michalsky
Dass Michalsky nicht auf Kollektionskonzepte steht, die als Ergebnis meist ein eindeutiges, unmissverständliches Bild ergeben – ein Bild, in welchem nur gleichartig präparierte Systeme von Teilchen, sich zu einem einzigen Bild fügen – bewies er auf seiner letzten Show.
Michalsky ist eben nicht der Typ für Ensembles welche so, und nur so getragen werden sollen.
Michalsky:
“Es gibt nichts widerlicheres, als wenn man in Boutiquen geht und sich Kopf bis Fuß von einem Designer einkleidet – das ist das schlechteste was es überhaupt gibt.”
“Ich finde nur Leute cool, die wirklich Ihren eigenen Film schieben”

Deshalb verstehen sich Michalsky und Wolfgang Joop wohl auch so gut, denn Joop schob während der Show wohl seinen ganz persönlichen Film:
Joop:
“Ich hatte so kleine Momente von FlashBags als ob Gianni der Große wieder da sei, das hatte schon Couture-Charakter”.
Couture Charakter? – Ein Wenig!? Darüber lässt sich streiten.
Gianni der Große ? - Das war dann wohl ein Flash ohne Bag – unserer Meinung nach ein Wenig zu hoch gegriffen und vielleicht nur ein kleiner Flirt unter Designern ![]()
Ohnehin ist es kein Geheimnis das Wolfgang Joop angetan von dem neuen Star der Modeszene ist, Wolfgang Joop ist ein wahrer Fan von Michalsky:
“Wenn es ihn nicht schon gäbe, müsste Berlin zusammenlegen und ihn erfinden”,
meinte Joop, der in 30 Jahre alter Jeans mit abgeschnittenem Saum erschien.
-30 Jahre alte Jeans ? Mit abgeschnittenem Saum ? FlashBag ? -Na wenn sich da nicht einer in die 90er-Jahre nach New York zurückversetzt fühlt, in die Zeiten von Skyler & Co
-Nun gut, das nur nebenbei.
Bildquelle: Aus dem Show-Video auf glamour.de
bunt, schrilll, laut, glamourös und eine Menge mehr – aber keine Kollektion ?
Berlins Liebling (wir sind uns da noch uneinig, ob es auch unser Liebling wird) zeigte uns eine bunte, vielseitige, manchmal urbane mit Retro-Elementen durchsetzte Kollektion.
Ein Retro-Mix aus Flower Power, Protest-Klamotten und Glamour à¡ la “Drei Engel für Charlie”.
– Was rede ich von Kollektion?
Nimmt man den Begriff Kollektion als einen Begriff, in dem eine Stilrichtung beschrieben wird, beschrieben durch sich wiederholende Formensprache und Farbgebung, definiert durch Silhouette, Stoff und Verarbeitung, so haben wir auf der Michalsky-Show keine Kollektion gesehen.
Definiert man Kollektion als Bild, mit welchem eine bestimmte Zielgruppe angesprochen wird, sehen wir eine Kollektion als eine modische Idee, welche zielstrebig durch mehrere Outfits beschrieben wird und der eine eindeutige Philosofie zugrunde liegt, so haben wir am 18.07.08 keine Kollektion gesehen!
Uns wurde ein modisches Spektakel präsentiert, dessen Charakter wohl mehr durch viele Impressionen und Einflüsse geprägt ist, als durch einen Kollektionsgedanken.
Es waren mehrere Stilrichtungen erkennbar, ebenso wurden verschiedene Zielgruppen angesprochen, bei Michalsky sahen wir mehr als nur eine Idee:
Wir sahen einen ganz eigenwilligen Mix aus couturigen, urbanen, punkigen, lauten und schrillen Designs. Mal tragbar und in Richtung Main Stream, mal genau das Gegenteil.
Manchmal hatte man wirklich den Eindruck, dass keine Form zur anderen passte, keine Silhouette zur darauffolgenden – denn hatte man gerade dein Eindruck gewonnen, das sich ein stimmiges Bild abzeichnet, so sprengte das nächste Outfit wieder den Rahmen und machte so Platz für den nächsten Eindruck.
Ein komplettes Show-Video finden wir aus Michalsky.com:
Hier das Fashion-Video ansehen >>>
Von anderen Designern, welche sich auf der Fashion Week präsentierten, sahen wir meist klare Statements:
Statements zu den kommenden Trends: Statements zu Farbe und Statements zur Silhouette .
Michalsky hingegen bricht mit brachialer Präsentation aus der Reihe und bezieht weniger Stellung - Ok – nicht ganz: Was die Farbe angeht setzt er zwar auf bunt & knallig, und war ein Outfit dann doch mal Ton in Ton, schwarz oder weiß, so musste auch dieses Bild gebrochen werden, was der Designer meist mit knalligen Schuhen erreichte.
Es war alles dabei: Pink, Schwarz, Weiß, Baby-Blau, Glänzend und Matt, leicht fallend, eng und streng, Florale Prints und eine Menge mehr.
Mal war die Taille an der Stelle, wo sie wirklich ist, mal rutsche Sie nach unten mal nach oben-¦
Wie gesagt, ein Bild jagte das andere, und ein ganz bestimmtes erregte, auch wenn es weniger schrill war, die Gemüter und machte einmal mehr aufmerksam und schrie einmal mehr nach “Revolution”
Impressionen
Doch ein Statement gefunden
Zur Electrohymne “Radio-Aktivität” von Kraftwerk schickte Michalsky Models mit “Atomkraft? Nein Danke!” und “No Blood For Oil”-Shirts auf den Laufsteg.
Gerade dieses Bild sorgt derzeit auf stern.de für angebrachte? Kritik:
Ob alle Berliner seine Show so gut finden wie Joop, darf allerdings bezweifelt werden. Besonders die Linke wird sich mit dem Anbiederungsversuch des Designers schwer tun. Denn Michalskys politisches Statement ist gefährliches Terrain. Nicht, weil er befürchten müsste, seine gut situierte Kundschaft würde die Protest-Shirts und Hippie-Kleider anrüchig finden und verschmähen. Im Gegenteil, sie werden sie ihm in seiner neuen Boutique am Berliner Monbijouplatz aus den Händen reißen. Sondern weil er die Glaubwürdigkeit der Botschaften aufs Spiel setzt. Wer sich für Preise um die 50 Euro ein Anti-Atomkraft-Shirt kauft, tut das in erster Linie, weil es schick ist und wahrscheinlich nicht, weil er die Bewegung unterstützten will. Oder können Sie sich Heidekönigin Jenny Elvers-Elbertzhagen auf einer Demo vorstellen? Eben!
Mode-Blog.eu findet solche Aktionen eigentlich immer cool.
Denn so implementiert Michalsky eine Meinung in ein Klientel, in dem solche Attitüden normalerweise weniger zu finden sind.
Umweltbewusstsein, ökologisches Denken, Green, Fair, all das ist sowieso voll im Trend und viele, gerade kleine und mittlere Labels erkennen dies und rühren kräftig mit, in dem Kochtopf vollgestopft mit Ethik und Moral – es macht sich ja auch gut und ist als Werbe- und Marketingmaßnahme vortrefflich einzusetzten. Make money money, make money money money -¦ Fragt sich nur ob all jene es wirklich aus einem ehrlichen Bewusstsein heraus tun- oder ob da doch die PR im Vordergrund steht – ich bin bei vielen dieser Labels skeptisch geworden, da bei den meisten, was bspw. FairTrade angeht die Kontrolle fehlt: Stoff ist ebenso geduldig wie Papier.
Wieder zurück zu Michalsky – und seiner coolen Idee – Wir hoffen dass er es ernst nimmt damit, denn dadurch, dass er ein gehobenes Genre anspricht, kann eben genau dieses, vorausgesetzt die Shirts werden angenommen, als Multiplikator fungieren.
Man stelle sich vor: Barbara Schöneberger würde eine solche Meinung nach außen tragen, d.h. solche Shirts beim moderieren tragen – Auf jeden Fall beeinflussend für eine breite Masse, welche sich so vielleicht mehr mit den angesprochenen Themen auseinandersetzt.

Vielleicht ist Michalsky aber doch nicht so cool wie es scheint, und so cool wie Mode-Blog.eu ihn gerne hätte, denn würde er wirklich mit Leidenschaft diese Meinung vertreten und würde er mit Leidenschaft in unserem Kochtopf voll Ethik und Moral rühren, dann hätte er die Messages, die er auf der Show rüber brachte zumindest in einem neuen Design gezeigt.
Schon nach kurzem Klicken durchs Web, erfährt man schnell, dass man für “Atomkraft? Nein Danke!” keine Preise um die 50 Euro zahlen muss (Preisquelle: Siehe Spiegelzitat), sondern genau das gleiche Longsleeve für gerade mal 13.00 € bekommt.
Wo ? – auf linke-t-shirts.de
Also meine ganz persönliche Meinung zu dem Thema: Michalsky demonstriert in Berlin: Ein dickes: Naja!?
Ein weiteres dickes Naja!? Bekommt der Designer Michalsky für seine neue Sonnenbrillen-Kollektion, denn hier steckt mehr Plastik als gutes Design dahinter und mal wirklich an die 200 € sind diese Dinger nicht wert.
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